Klostersommer im Harz

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Sechs ehemalige Klöster beleben die historischen Mauern mit fantasievollen Veranstaltungen, Konzerten, Festen und Märkten

 

 

Wie belebt man traditionsreiche historische Klöster heute? Ein paar findige Köpfe hatten eine Idee, geboren so ganz nebenbei beim Kaffee bei einer Tagung. Und setzten mit einem ganzen Stück harter Arbeit um, was ihnen so locker zugeflogen war. 2009 startete der erste Harzer Klostersommer, eine Veranstaltungsreihe, die inzwischen zum länderübergreifenden Markenzeichen geworden ist. Über sechzig sommerliche Highlights organisiert der Verein mittlerweile zwischen Juni und September. Aus der Idee entstand der HarzerKlosterSommer, eine länderübergreifende Kultur-Kooperation von sechs ehemaligen Klöstern in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Feste, Führungen, Konzerte und Märkte locken inzwischen Tausende von Besuchern in die ehrwürdigen Stätten. Sogar auf der Internationalen Toursmusbörse ITB in Berlin warb der Verein für seine sommerlich-klösterliche Veranstaltungsreihe.
Der Verband besteht aus den Klöstern Brunshausen, Drübeck, Ilsenburg, Michaelstein, Walkenried und Wöltingerode. Klingende Namen für Historiker und Geschichtsinteressierte, die weit ins Mittelalter zurückweisen: Drübeck etwa war eine Tochtergründung des Klosters Corvey. Seit 960 strebten dort Benediktinerinnen danach, Gott zu dienen. Ilsenburg, eine wohl um 1018 gestiftete Benediktinerabtei, gehörte bis zur Zerstörung im Bauernkrieg zu den reichsten Klöstern am Harz. Heute ist dieses Kleinod der Romanik ein Kulturzentrum.
Im 1146 gegründeten Michaelstein nahe Blankenburg hat heute die Musikakademie Sachsen-Anhalt ihren Sitz und zeigt seit kurzem eine Sammlung historischer Musikinstrumente. Und das ehemalige Benediktinerkloster Wöltingerode von 1174 ist noch heute eine gewaltige Klosteranlage. Heute beherbergt sie ein komfortables Klosterhotel in historischen Räumlichkeiten und eine Klosterbrennerei, die bereits seit 1682 ihren Edelkorn und Liköre von hoher Qualität herstellt.
Auf dem großen Gelände befinden sich im Sinne der Geschichte des Klosters als Wirtschaftsbetrieb eine Klosterbäckerei, eine Fischräucherei und ein Kräutergarten.
Der von allen Klöstern am 2. Juli veranstaltete HarzerKlosterSonntag steht unter dem Motto „Nah am Wasser gebaut. Schatzkästchen aus sechs Klöstern zum Element Wasser“. Gäste sind ein- geladen, die Klöster zu bereisen und „Wasser“ als Element zu erleben – technisch, kulinarisch, musikalisch und als geistreiche Tropfen.
Zwei geführte Radtouren per E-Bike am 13. und 20. August ab Wernigerode führen am nördlichen Harzrand entlang. Dank des motorgestützten Fahrvergnügens bleibt viel Kraft für den Kloster- und Landschaftsgenuss. In der Reihe „Kloster a la cARTe“ erwartet die Gäste barocke Sinnenfreude im Sommerschloss Brunshausen am 16. September. Kein geringerer als Universalgenie Gottfried Wilhelm Leibniz (alias Rainer Künnecke, Hannover) entführt in die höfisch-barocke Lebenswelt nebst anschließender Tafelfreuden im Cafe ́im Klosterhof.
Ein Highlight am Ende des Kloster- Sommers setzt wieder das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Walkenried, das zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. mit seinem überregional beliebten Klostermarkt. Am 23. und 24. September bieten Nonnen und Mönche an 30 Ständen ihre besten Produkte aus Keller, Küche, Werkstatt und Garten. Das einmalige ökumenische Fest eröffnet auch die Gelegenheit, über Gott und die Welt ins Gespräch zu kommen.
Nicht zuletzt Musik und Kunst spielen in dem Reigen der Veranstaltungen eine Schlüsselrolle: Am KlosterSonntag am 2. Juli spielen im Rahmen des Inter- nationalen Musikfestes Goslar – Harz vier Musiker das „Quatuor pour la fin dutemps“.Das 1940/41 in einem Lager bei Görlitz entstandene Quartett Olivier Messiaens gehört zu den Meisterwerken des 20. Jahrhunderts und ist ein tiefes Zeugnis der Spiritualität, aber auch des Leids der Kriegsgefangenen, zu denen Messiaen gehörte.
Unbeschwert und lustig dagegen geht es bei einem Konzert am 30. Juni in Kloster Michaelstein zu. Dort spielt ein Ensemble für Alte Musik populäre Pub- Musik aus dem England des 17. Jahrhunderts. Zu den Klängen der „Alehou- se Boys“ gibt’s natürlich auch ein gutes Bier.
Am 15. Juli ist bei einem Konzert des „Duo con Dolcezza“ mit Violinmusik vom Barock bis in die Gegenwart im Kloster Drübeck etwas ernstere Konzentration nötig. Am 23. Juli singt das Ensemble Sjaella im Rahmen des MDR Musiksommers im Kloster Ilsenburg a-cappella-Musik, unter anderem von Henry Purcell, Orlando di Lasso oder John Dowland. Am 4. August wird in Michaelstein Musik vorgestellt, die Johann Sebastian Bach für den Hof in Köthen geschrieben hat. Und am 9. August lässt dort das Jugendjazzorchester Sachsen-Anhalt sommerfrischen Big- band-Sound erschallen. DT/pd/wh Info: www.harzerklostersommer.de

 


Quelle: reisen&wohlfühlen, 24. Juni 2017
Foto: Portal für Geschichte e.V.


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