Festsaison in der heilig-heilen Welt

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Harzer Klostersommer ist in Ilsenburg eröffnet worden / 50 Veranstaltungen in sechs Klöstern

Zu Eröffnung des zehnten Harzer Klostersommers spielte das Leipziger Klarinettenquartett 3plus1 im Kloster Ilsenburg – neben Walkenried, Brunshausen, Michaelstein, Drübeck und Wöltingerode eines der sechs Klöster, die sich beteiligen. Foto: Julia Bruns
Zu Eröffnung des zehnten Harzer Klostersommers spielte das Leipziger Klarinettenquartett 3plus1 im Kloster Ilsenburg – neben Walkenried, Brunshausen, Michaelstein, Drübeck und Wöltingerode eines der sechs Klöster, die sich beteiligen. Foto: Julia Bruns

Harzer Klostersommer ist in Ilsenburg eröffnet worden / 50 Veranstaltungen in sechs Klöstern

Von der Würde des Klosterbetriebs bis hin zu Klosterfrau Melissengeist: Die Eröffnung des Harzer Klostersommers offenbarte sich als gelungene Mischung aus spannender Debatte und philosophischem Wortwitz.

Von Julia Bruns
Ilsenburg ● Was haben ein Mönch, die Chefin des Harzer Tourismusverbandes (HTV), eine Kunsthistorikerin und ein Bibliotheksleiter gemeinsam? Sie alle betreiben irgendeine Form von Marketing, um die Aufmerksamkeit von Einheimischen und Touristen auf ihre Einrichtungen zu lenken - so unterschiedlich sie auch scheinen mögen. Darüber, wie sich speziell Klöster im Zeitalter der sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Instagram ins Gespräch bringen können, debattierten Bruder Jakobus Wilhelm vom Kloster Huysburg, HTV-Geschäftsführerin Carola Schmidt, die Kunsthistorikerin Anke von Heyl und der Leiter der Wernigeröder Stadtbibliothek, Olaf Ahrens, bei der Eröffnung des Harzer Klostersommers.
Im Kloster Ilsenburg, einem der sechs Häuser, die sich am nunmehr zehnten Klostersommer beteiligen, ging Moderator Rainer Schulze dem Kloster- Marketing auf den Grund.
„Wie wichtig ist es, die Würde der Häuser zu bewahren?“, wollte der Vorstand der Stiftung Kloster Ilsenburg wissen. Bruder Jakobus, der einzige Gast in der Runde, der in einem noch aktiven Kloster arbeitet, wies daraufhin, dass auch bei Führungen mal ein Spaß gemacht werden könne. „Aber wir richten den Blick auch ganz bewusst wieder auf das Ernsthafte. Die Würde muss diesem Ort ganz bewusst zugesprochen werden“, so der geistliche Leiter der Huysburg.
Olaf Ahrens erinnerte daran, dass der Begriff „Kloster“ von lateinischen „claustrum“ abstammt und „geschlossener Raum“ bedeutet. „Heute aber öffnen wir die Klöster“, so Ahrens. „Man muss sich überlegen, wo man was veranstalten will, damit die Räume ihre Würde und ihre ästhetische Qualität behalten.“

Ob er überhaupt etwas mit Marketing im Sinn habe, wandte sich Rainer Schulze an Bruder Jakobus. „Wir sind ein Ort der Anerkennung Gottes und ein Ort des Gebetes – aber auch unser Gästehaus muss vermarktet werden“, gab der Geistliche einen Einblick in seine Arbeit. „Bisher sind wir noch nicht auf Facebook vertreten – aber wer weiß, was ich
hier heute noch dazu lerne?“ Die Rolle der Klöster im Harzer Tourismusverband unterstrich derweil Carola Schmidt: „Sie sind authentisch und unverwechselbar“, so Schmidt. „Mit 50 Veranstaltungen schafft der Harzer Klostersommer zudem viele Reiseanlässe.“ Dass sich gerade Klöster ausgezeichnet über soziale Medien vermarkten lassen, davon zeigte sich Anke von Heyl überzeugt: „Ein Kloster ist ein Ort, der anders ist, der viel zu bieten hat. Gerade wenn es um emotionale Geschichten geht, die sich gut vermarkten lassen.“
Eine ganz unkonventionelle Reflektion auf die Bauwerke gab der Dichter Tobias Petzoldt aus Dresden vor dem Publikum zum Besten. Der Poetry Slammer sprach von „einem Kleinod der Romantik, in dem die Tür offen steht – und das Herz noch mehr“.

Er zeichnete in seinem Vortrag ein Bild von einer „heilig heilen Welt, die ein bisschen authentisch und ein bisschen autistisch ist, mal Klosterfrau und mal Melissengeist.“ Schließlich konstatierte er: „Wo ein Bier ist, ist ein Kloster – in Hasserode ist also noch Luft nach oben“, und blickte andächtig gen Gewölbe.

Von links: Carola Schmidt, Anke von Heyn, Bruder Jakobus, Olaf Ahrens und Moderator Rainer Schulze führten eine Debatte zum The- ma „Gebaut für Gott – und die Welt?“. Foto: Julia Bruns
Von links: Carola Schmidt, Anke von Heyn, Bruder Jakobus, Olaf Ahrens und Moderator Rainer Schulze führten eine Debatte zum The- ma „Gebaut für Gott – und die Welt?“. Foto: Julia Bruns
Texter und Kabarettist Tobias Petzoldt unterhielt das Publikum mit seinen Versen. Foto: Julia Bruns

Quelle: Volksstimme, 11. Juni 2018


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