Von Kloster zu Kloster

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Von Kloster zu Kloster Das Zisterzienderkloster Michaelstein beherbergt heute die Musikakademie Sachsen-Anhalt. Foto: Kloster Michaelstein

Rund um den Nationalpark Harz gibt
es eine erstaunliche Konzentration von Klöstern. Die kann man sich auf einem Wanderweg erlaufen – und das Mittelgebirge von einer spirituellen Seite erleben.

VON
ULRIKE WIEBRECHT 

Ein Bild, das sich einprägt: unzählige Dächer, die sich als rote Dreiecke an die grünen Hügel des Harzvorlands schmiegen, dazwischen die Türme der Klosterkirche St. Vitus, deren silbergraue Spitzen selbstbewusst gen Himmel weisen. Wer mehrere Stunden von Wernigerode hier- hergelaufen ist, mag seine Füße spüren, nach einem Kaffee, einem kühlen Bier lechzen. Aber wenn in der Ferne das Kloster Drübeck auftaucht, schießen einem ganz andere Gedanken durch den 

Kopf: Mehr als 1000 Jahre haben die Gemäuer überdauert. Was war das für ein Glaube, der die Gegend im Mittelalter beseelt und solche Bauwerke hervorgebracht hat? Und was ist übrig geblieben? 

Am Eingang angekommen, führt der Weg direkt zum Gärtnerhaus mit dem Klostercafé. Draußen eine freundliche Terrasse, die in eine Streuobstwiese übergeht. Kinder spielen in einer Sandkiste, Eltern sitzen auf der Bank – hier scheinen die Besucher gern zu verweilen. Links geht es zum Amtshaus und anderen Gebäuden, die sich um eine jahrhundertealte Linde scharen. Um 960 unter Otto I. gegründet, lebten im Kloster zunächst Benediktinernonnen, bis es im Bauernkrieg zerstört wurde. Ende des 17. Jahrhunderts wurde aus den wiederhergestellten Bauten ein Damenstift. Heute werden sie vom Evangelischen Zentrum als Bildungsstätte genutzt, stehen aber auch Übernachtungsgästen offen. 

Nein, das ist nicht einfach nur ein Stück alte Bausubstanz an der Straße der Romanik. Von ihr geht auch eine unaufdringliche Besinnlichkeit aus. Nicht nur in der schlichten romanischen Kirche, wo zwanglose Andachten stattfinden. Auch in den Gärten der Äbtissin und der 

Stiftsfrauen, von denen jede ihren eigenen, heimlichen Rückzugsort hatte. 

Drübeck ist auf jeden Fall ein Muss, wenn man auf dem Klosterwanderweg durch den Harz wandert. Auf 67 Kilometern zieht er sich in sechs Tagesetappen am Rand des Mittelgebirges entlang und verbindet mehr als ein halbes Dutzend Sakralbauten. Von Kloster Wendhusen bei Thale im Südosten führt er über Blankenburg, Wernigerode, Ilsenburg und Wöltingerode nach Goslar im Westharz. „Eine wunderbare Mischung von Kultur und Natur“, finden Claudia und Axel Lundbeck, die Mitinitiatoren des Wegs sind. Tatsächlich lockt neben den kulturhistorischen Schätzen die Landschaft des Nationalparks, die zusammen mit den Legenden um Hexen und Walpurgisnacht schon Goethe und Heinrich Heine inspirierte. Romantische Mischwälder wechseln ab mit Moorseen, und über allem thront der 1141 Meter hohe, mythenumwobene Brocken. 

Dass mittendrin auch die deutsch- deutsche Grenze verlief, ist indes kaum noch zu sehen. Die meisten Sakralbauten wurden aufwendig restauriert und unterschiedlichsten Nutzungen zugeführt. Das Zisterzienserkloster Michaelstein beherbergt heute die Musikakademie Sachsen-Anhalt und ein Museum. „Die Besucher kommen gern“, meint Museumsleiter Simon Sosnitza. „Auch deshalb, weil gleich nebenan der Klosterfischer köstliches Fanggut aus den umliegenden Fischteichen auftischt.“ 

Altstadt mit geballtem Fachwerk

Von dort geht es dann durch ausgedehnten Buchenwald, Felder und Wiesen nach Wernigerode, wo es mit der Einsamkeit und Stille erst mal vorbei ist. Vom einstigen Kloster Himmelpforte ist so gut wie nichts erhalten, dafür eine Altstadt, die mit ihrem geballten Fachwerk Ziel unzähliger Reisegruppen ist. Wer will, steigt noch zum prächtigen Schloss hinauf, um auf die bunte Stadt hinunterzublicken. Doch die Wanderer zieht es bald wieder in den Wald. Drei Stunden sind es bis Drübeck, eine weitere Stunde bis Ilsenburg. Auch dieses Fachwerkstädtchen hat eine lange touristische Tradition. Das Benediktinerkloster hatte zu seiner Blütezeit im Mittelalter europäische Bedeutung. Die Kirche mutet an wie eine Festung des Glaubens, ihre dicken Mauern verströmen feuchte Kälte. „Hier ist auch der letzte Abt begraben“, erzählt Axel Lundbeck. Besonders angetan hat es ihm der expressive Taufengel, der von der Decke herabhängt. Sein Lieblingsraum ist aber das Refektorium. Tatsächlich ist der Speisesaal der Mönche eine Perle der Romanik. Zwölf Säulen aus Sandstein tragen die gewölbte Decke und verleihen dem Saal Eleganz und Geborgenheit zugleich.


 

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Pilgern auf dem Klosterwanderweg

2 Übernachtungen
buchbar: das ganze Jahr über nach Verfügbarkeit
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